Weekend

Wellenklänge

26. April 2019

Dem Klang der Natur zu lauschen, ihre Prozesse zu erforschen und aus ihnen zu lernen. Ihre Klänge wahrzunehmen und uns von ihnen inspirieren zu lassen. Eine Beziehung zwischen Mensch und Natur zu kultivieren, deren Basis das Zuhören ist. Das ist Wellenklänge im Juli in Lunz am See

Eintauchen in den Klang des Holzes und die Stimmen der Bäume; in die innere Resonanz und Frequenz der Herztöne

Unser Erbe. Unser Naturerbe. Unser Kulturerbe.
Wir können nur etwas erben, wenn wir uns – oder jemand sich – um dessen Erhalt kümmert. Das gilt sowohl für alles Materielle als auch für Immaterielles. Wenn wir Denkmäler, Landschaften, Naturräume und musikalische Traditionen nicht erhalten und teilweise auch schützen, dann gehen sie verloren.
Einmal im Jahr trifft sich das Welterbekomitee und entscheidet über die Nominierung von Schützenswertem. Dies dient einerseits dem Erhalt unseres Planeten, andererseits auch der Schärfung unseres Bewusstseins für das sensible Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Unser wellenklænge Festival befindet sich inmitten solch einer Umgebung! 2017 wurde das Wildnisgebiet Dürrenstein mit seinem Rothwald in der höchsten Schutzkategorie zum UNESCO Weltnaturerbe erhoben.

Holzhören und Herzstimmen. Herzhören und Holzstimmen.
Wie man es auch dreht, das Hören vom Herzen her steht im Vordergrund. Was bedeutet aber „vom Herzen her“? Es bedeutet mit Wohlwollen, Einfühlungsvermögen und Aufnahmebereitschaft in Dialog zu treten und zu erlauben, dass sich die eigene Anschauung der Welt ein Stück weit erweitern darf.
Die Stärke von Musik liegt darin, einen Rahmen zu schaffen, um zuzuhören – auf den Klang der Instrumente, aber auch uns selbst zu hören, während wir Musik empfangen.
Wenn wir so lernen, mit unserer inneren Stimme in Resonanz zu gehen, fällt es uns leichter, mit unserer Umwelt in Resonanz zu gehen. Wenn wir wieder lernen, wirklich zuzuhören, unseren Mitmenschen und den Signalen der Natur, wenn wir wieder mehr vom Tun ins Sein kommen, mehr die rezeptiven Qualitäten als die aktiven üben, dann erlauben wir uns, in eine tiefe Verbindung zu treten mit dem was uns umgibt: mit uns selbst und unserer Umwelt. Dann können wir uns der Tatsache nähern, dass wir nicht getrennt von unserer Umwelt existieren, sondern ein Teil eines Planeten sind.

Wellenklänge in Lunz am See steht ganz in diesem Zeichen:
Dem Klang der Natur zu lauschen, ihre Prozesse zu erforschen und aus ihnen zu lernen. Ihre Klänge wahrzunehmen und uns von ihnen inspirieren zu lassen. Eine Beziehung zwischen Mensch und Natur zu kultivieren, deren Basis das Zuhören ist.

In Reihenfolge der Fotos sind unter anderem dabei:  Shake Stew ist die österreichische Jazzband der Stunde. Der Staub, den die sieben Ausnahmemusiker rund um Lukas Kranzelbinder seit ihrer Bandpremiere am Jazzfestival Saalfelden 2016 aufgewirbelt haben, hat sich gerade erst wieder ein wenig gesetzt, da legen Shake Stew bereits mit voller Energie nach: „Rise And Rise Again“ titelt das zweite Studioalbum und in welchem Tempo diese Formation neuen musikalischen Output erzeugt, ist wirklich atemberaubend. Ernst Reijseger. Der 1954 in Naarden (NL) geborene Reijseger begann im Alter von sieben Jahren Cello zu spielen. Am Amsterdamer Konservatorium motivierte ihn sein Lehrer Anner Bijlsma, seinen eigenen Weg zu gehen und sein eigenes musikalisches Vokabular zu entwickeln. Dies führte zu zahlreichen unkonventionellen und Genre-überschreitenden Kooperationen. Kürzlich komponierte Reijseger für das Barock-Orchester Forma Antiqua (Volcano Symphony), das Nederlands Wind Ensemble und das Ensemble Modern. Die Arbeit an der Filmmusik für Werner Herzogs „The White Diamond“ und „Die Höhle der vergessenen Träume“ sowie Alex und Andrew Smiths „Walking Out“ stellt ein neues musikalisches Betätigungsfeld für Reijseger dar. Cuncordu e Tenore de Orosei. Im weiten Feld der Vokalmusik Sardiniens nimmt diese Gruppe einen Platz ganz vorne ein: Ihr außergewöhnliches Repertoire spannt den Bogen zwischen beiden Ausprägungen des traditionellen Gesangs in Orosei: der weltlichen „a tenore“ und der geistlichen „a cuncordu“. In der Region Baronia an der Nordwestküste Sardiniens waren die beiden Gesangsstile nie in Vergessenheit geraten – durch den Kontakt der jüngeren Chorsänger mit den älteren blieb die Tradition am Leben. Schrammel & Die Jazz. Basierend auf Peter Havliceks 2013 erschienener CD erforschen die drei Instrumentalisten musikalische Verwandtschaften und stellen Mundharmonika und Violine in ungehörter Zweistimmigkeit den tiefen Tönen der Kontragitarre gegenüber.

Die Intendanz des Festivals haben Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer

Fotos: Shake Stew /// © Andreas Waldschuetz; Ernst Reijseger /// © Krijn van Noordwijk; Cuncordu e Tenore de Orosei /// © Antonio Farris; Schrammel & Die Jazz /// © Clemens Fabry; © wellenklænge // Theresa Pewal.

wellenklaenge 2019

Festival für zeitgenössische Ströumungen

Holzhören & Herzstimmen

12. bis 27. Juli

wellenklaenge.at

© 2019 Robert’s