Well Being

Saubere Schürzen

30. Juni 2017

Biologisch, sozial und nachhaltig soll es sein. Auch in der Textilbranche wird seitens der Konsumenten zunehmend auf faire Produktionsbedingungen geachtet. Das Thema „Nachhaltigkeit“ bei Berufskleidung findet noch wenig Beachtung. Das junges Kölner Label KAYA&KATO setzt nun neue Maßstäbe im Bereich Fairness bei der Produktion von Arbeitskleidung

Genäht unter fairen Bedingungen mit Stoffen aus kontrolliert biologischem Anbau

In Schwellenländern, wie Kirgisistan (Fotos) für faire Jobs sorgen, damit Menschen von ihrer Arbeit leben können: Das ist Geschäftsführer Stefan Rennicke wichtig. KAYA&KATO arbeitet ausschließlich mit Partnern zusammen, die bei der Textilproduktion Menschen und Umwelt in den Vordergrund stellen. „Besonders wichtig ist uns, dass wir unsere Partner und Zulieferer persönlich kennen. Wir verlassen uns nicht nur auf Siegel und Zertifikate. Wir wissen, wer die Baumwolle anbaut, wie sie angebaut wird, wo die Stoffe gesponnen und unsere Schürzen genäht werden“, so Stefan Rennicke. „Ich will mit eigenen Augen sehen, dass es den Menschen, die für uns arbeiten, gut geht. So können wir eine langfristige Zusammenarbeit anstreben und die Bauern, Partner und Zulieferer mit sicheren Einnahmen kalkulieren.“ So kann eine Marke entstehen die Spaß macht!

 

Honorieren eure Kunden euer Konzept?

Unsere Kunden unterstützen durch den Kauf unserer Produkte auch automatisch unser Konzept, und somit tragen sie dazu bei, dass Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten bleiben. Und dabei handelt es sich um Arbeitsplätze mit Zukunft. Der kontrolliert biologische Anbau von Baumwolle ist für uns alternativlos. Genau wie der faire Umgang mit unseren Partnern. Wenn man den gesamten Produktionsprozess kennt – vom Anbau der Baumwolle bis hin zum Verkauf an den Kunden – ist es faszinierend zu sehen, dass im hippen Berlin Mitte in der Küche und im Service unsere Schürzen getragen werden, aus Baumwolle, die in mühsamer Handarbeit bei 30°C von Hand gepflückt und vorher monatelang gehegt und gepflegt wurde. Kaum jemand der Gäste wird sich vorstellen können wieviel Arbeit da drin steckt. Wir nehmen übrigens unsere Produkte immer mit und zeigen sie den Bauern. Damit sie sehen, was aus ihrer Wolle wird.

Warum verlasst ihr euch nicht nur auf die üblichen Siegel und Zertifikate?

Machen wir auch. Aber nicht nur. Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir es überhaupt machen sollen. Wir befinden uns jetzt im Zertifizierungsprozess von GOTS und IVN-Best und schauen mal, ob das für uns zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist und welche finanziellen und zeitlichen Ressourcen gebunden werden. Unsere Partner sind alle GOTS zertifiziert, und unsere Stoffe sind entweder gemäß GOTS, IVN-Best oder tragen das Cotonea Bio-Siegel. Aber unser Geschäftsmodell war von Anfang darauf ausgelegt, dass wir nicht nur ein Siegel vor uns hertragen, um zu zeigen, wie toll wir sind oder eine sogenannte Grüne Produkte Linie im Programm haben, mit der wir entschuldigen, dass der gesamte Rest unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird. Mit unserem Handeln – auch ohne Zertifizierung – können wir viel beeinflussen. Nehmen wir das Beispiel Kirgisistan. Das Land in Zentralasien ist muslimisch geprägt. Wenn ich durch Dschalalabad gehe, wo die Bauernkooperative ihren Sitz hat, die die Baumwolle für uns anbaut, sieht man ein weltoffenes und tolerantes Stadtbild. In Gesprächen mit unseren Partnern merkt man aber, dass man besorgt ist, dass Extremismus zunimmt. Die Kriminalität ist im ganzen Land gestiegen. In der Region, wo die Baumwolle angebaut wird, gibt es zudem ethnische Spannungen zwischen Usbeken und Kirgisen. Ich glaube, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit, dazu beitragen kann zu stabilisieren. Wir sind zwar nur ein sehr kleiner Partner, aber vielleicht ein winziger Mosaikstein, der zur Stabilität im Land beiträgt. Ein anderes Beispiel ist Uganda, wo ich in den letzten zehn Jahren sehr häufig war. Auch dort sind durch den Biolandbau – Baumwolle wird nur alle drei Jahre im Fruchtwechsel angebaut – mehr als 10.000 Arbeitsplätze entstanden. In einer Region wo bis 2006 noch Bürgerkrieg herrschte.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Wir wünschen uns noch mehr Kunden, die sich von unserem Konzept und unseren Produkten überzeugen lassen. Vor allem aber würde ich mir mehr Unterstützung durch die Politik wünschen. Die öffentliche Hand als größter Einkäufer von Dienstleistungen und Produkten in Deutschland gibt jungen Unternehmen wie uns keine Möglichkeit in Pilotprojekten zusammenzuarbeiten. Die Hürden durch Nachweise sind so hoch, dass ein Start-up oder junges Unternehmen von öffentlichen Ausschreibungen praktisch ausgeschlossen ist. Deswegen ist es dringend notwendig, dass Behörden des Bundes und Landes Formate entwickeln, mit denen sie jungen Unternehmen und Start-ups, deren Geschäftsmodelle nachhaltige Ziele verfolgen, die Möglichkeit einer Zusammenarbeit geben.

 

www.kaya-kato.de

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