Daily Life

Mario Huggler – Küchenchef mit Bodenhaftung

25. August 2017

Seit zwei Jahren schreibt der gebürtige Schweizer die Speisekarte des Restaurants „August und Maria“ im Bauereigasthof Hotel Aying. Was ihm selbst am besten schmeckt und ob sich ein Schweizer in Bayern Zuhause fühlen kann, hat er im Interview verraten

Bayerische Küche auf Niedrigtemperatur gegart

Was erwartet Ihre Gäste, wenn sie im „August und Maria“ einkehren?
Ganz ehrlich: Ich koche nur, was ich selber gerne esse. Mein Team und ich haben uns einer bodenständigen und regionalen Küche verschrieben, bei der das Produkt im Vordergrund steht, aber im Ergebnis etwas Besonderes ist – wie zum Beispiel ein raffiniertes Schmorgericht: Eine schöne Lammschulter mit Blattspinat und ein Püree aus Bio-Kartoffeln, dazu eine Safran-Schmorjus. Und obendrauf gibt’s noch einen schön gedeckten Tisch und einen aufmerksamen, herzlichen Service.

Was empfehlen Sie Gästen, die sich einfach nicht entscheiden können?
Das ist tatsächlich gar nicht so leicht. Ich kann kein Gericht explizit empfehlen, denn alles schmeckt natürlich hervorragend (lacht). Zudem ändert sich unsere Karte alle drei bis vier Wochen saisonbedingt. Manche Gerichte wechseln sogar noch früher, da der Einkauf bei kleinen Produzenten auch bedeutet, dass ich keine unendlich großen Mengen ordern kann. Was man aber auf jeden Fall probieren sollte, ist ein Süßwasserfisch, der es locker mit einem Loup de Mer oder einem Steinbutt aufnehmen kann. Auf Niedrigtemperatur gegart oder roh mariniert, ist das ein echtes Geschmackserlebnis.

Aber kann ein Schweizer denn auch authentische bayerische Gerichte kochen?
Natürlich, ich bin ja jetzt schon einige Jahre da und habe hier schnell eine kulinarische Heimat gefunden. Ich habe hier in Bayern zum Beispiel meine Passion für Süßwasserfische entdeckt! Umgekehrt habe ich aber auch einige Gerichte von zu Hause mitgebracht, wie die Bramata Polenta, die mein Vater immer bei uns zu Hause über dem offenen Feuer gemacht hat. Die hat mit der allseits bekannten Polenta wenig gemein und ich habe mir sagen lassen, dass ich damit selbst Polenta-Ablehner überzeugen kann. Abseits der Kulinarik war die Eingewöhnungsphase aber auch nicht schwierig. Als Schweizer weckt man dank der guten Schoggi gleich positive Assoziationen, und sowohl die Gäste als auch meine Kollegen mögen meinen Schweizer Dialekt. Die größte Umstellung für mich war das Tempo – diese grundsätzliche Hektik, nicht explizit in der Küche, sondern im Alltag der Menschen. Die gibt es bei uns in der Schweiz nicht.

Was wäre Ihre Henkersmahlzeit?
Ein Schweizer Käsefondue! Es wäre dann aber von Vorteil, wenn es ein Tag mit kalten Temperaturen ist (lacht). Und da ein Fondue ein Gesellschaftsessen ist, hätte ich anlässlich meiner Henkersmahlzeit auch gerne gleich meine ganze Familie um mich.

Erinnern Sie sich noch an Ihren letzten große Koch-Fauxpas?
Oh ja. Zum Glück war das bei mir zu Hause: Ich habe Zucker und Salz verwechselt, der Klassiker.

Fotos: ©Brauereigasthof Hotel Aying

Auf dem Teller angerichtet ist Lammhüfte mit Spinat und Kartoffel-Auberginen-Gnocchi.

www.august-und-maria.de

 

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