Weekend

(K)ein Hotel – LINDLEY LINDENBERG

20. September 2019

Eine Gästegemeinschaft mit 100 Zimmern im Frankfurter Ostend

Zuhause für Jogginghose und Schlappen

Lindleystraße 17, Frankfurt am Main. Ein großes Haus mit Gußeisen ummantelter Glasfassade streckt sich empor, das Schaufenster in eine neue Welt: Sauerkleepflücken im Kräuterraum, Plattenhören in der Guten Stube, Schnaps und Sellerie-Carbonara im Restaurant, ein schräges Akustikkonzert im Panoptikum, Lesen unter Obstbäumen, ofenfrische Sauerteigstullen aus der Bäckerei, Yogaschwitzen im Turnstudio, ein Glas Martini an der Bar im Fünften und Vögelbeobachten auf der Dachterrasse. Das alles wird ab sofort im LINDLEY LINDENBERG, in Jogginghose und Schlappen, möglich sein.

Das LINDLEY LINDENBERG ist das dritte Haus der LINDENBERG Gruppe in Frankfurt am Main, geführt von Denise Omurca, Christian Velthuizen und Nils Jansen. LINDLEY LIN- DENBERG setzt, wie schon die Konzepte zuvor, auf das Erlebnis der Gästegemeinschaft, in der Langzeitmieter und Übernachtungsgäste nicht nur die Zimmersuiten, sondern auch eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen bewohnen. “Wir sind weder ein klassisches Hotel noch eine Wohngemeinschaft – und doch beides zugleich” (Denise Omurca). Übernachtungsgäste sind genauso willkommen wie solche, die für Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre ein zweites Zuhause suchen und Bindung finden möchten.

Die 100 Gästezimmer des Hauses sind in ihrer räumlichen Größe auf ein Minimum beschränkt, denn das Leben findet da draußen statt. LINDENBERG sieht sich seit 2012 als Vorreiter des sogenannten Collaborative Living, bei dem Zugang eine größere Rolle als Besitz spielt. Je nach Wunsch und Vorhaben wählt der Gast einen Bereich der Nutzung aus und taucht in die Gemeinschaft ein. LINDENBERG Häuser reflektieren damit den gesellschaftlichen Bedarf nach gemeinschaftlichem Wohnen und Arbeiten. Eine neue Wohnqualität mit Wir-Gefühl bei gleichzeitiger Möglichkeit zur Individualität, immer mit dem Anliegen des nachhaltigen Lebens und Unternehmens.

Die Zimmer: Die eigenen vier Wände dienen im LINDLEY vornehmlich zum ausgiebigen Schlafen, Duschen und Zurückziehen. Alles Weitere wird in den Gemeinschaftsräumen zugänglich gemacht. Die Qualität des Aufenthalts in den Zimmern wird nicht durch Größe, viel eher aber durch die Finesse der Ausstattung, feinfühliger Gestaltung und wertigen Materialien bestimmt. Die hohen Räume, ein bedachtes Farbkonzept und große Fenster sorgen zudem für ein angenehmes Raumgefühl. Verweilt der Gast nicht in seinen eigenen vier Wänden, so steht ihm über sieben Etagen verteilt eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen und öffentlichen Bereichen zur Verfügung.

Der kleine, wilde Garten: Eine Bepflanzung, die die jeweiligen Jahreszeitenwechsel zelebriert, Hügellandschaften, Holzterrassen und ein Wasserbecken bilden einen „verwunschenen“ Garten um das Haus herum. Ein Quitten-, Apfel- und Birnenbaum schlagen ihre Wurzeln und bieten Schattenplätze zum Verweilen.

Das Restaurant LEUCHTENDROTER im Erdgeschoss ist die kleine, verruchte Schwester des Restaurants SEVEN SWANS, geführt und kreiert von Chris Weinbeck, Denise Omurca und Sternekoch Ricky Saward. Hier wird morgens, mittags und abends derbdeftiges, verständliches, vegetarisches Opium fürs Volk aus ausschließlich regionalen Produkten serviert. An der dazugehörigen Weinbar findet man eine ausgeklügelt kuratierte Auswahl an Weinen und Schaumweinen.

Bäckerei: Angeschlossen an das Restaurant gibt es hier Ofenfrisches wie Sauerteigbrot, belegte Stullen, Croissants und hausgemachte Kuchen sowie Fair-Trade Kaffee von lokalen Partnern.

Bar Marmion: In der Bar im 5. Stock werden Klassiker der Barkultur ebenso in ihren ursprünglichen Versionen, wie auch in neuen Interpretationen hergestellt und serviert. Eine feinselektierte Auswahl an Weinen, Spirituosen & Cocktails werden in mondänem Ambiente angeboten. Betreiber der Bar sind Torsten Martini und Malwin Hiller.

Anders als Restaurant, Bäckerei und Bar bleiben die weiteren Gemeinschaftsräume exklusiv den Hotelgästen vorbehalten und nur zu bestimmten Anlässen Externen zugänglich:

Die Kochlandschaften im 4. und 6. OG: Diese vollausgestatteten Gemeinschaftsküchen bilden die Basis des Miteinanders und das Herz des Hauses. Selbsteingeweckte Produkte, selbstangebautes Gemüse/Obst und Produkte der hauseigenen Permakultur im Taunus, den BRAUMANNSWIESEN, findet der Gast in den Kühlschränken und Regalen vor.

Die Gute Stube mit kleiner,aber mit Bedacht zusammengestellter Plattensammlung und Bibliothek zum Lesen und Musikhören, das Panoptikum als Tagungs-, Event-, Arbeits-, Kino- und Konzertraum mit Rube Goldberg Installation und eigenem, abwechslungsreichen Kulturprogramm, der Cowork-Space als mietbarer Arbeitsplatz oder Konferenzraum, der Baumraum zum Ruhefinden, derKräuterraum -ein Indoor Farming Konzept, betrieben von den BRAUMANNS- WIESEN für das letzte Blatt, das die selbstgekochte Sauce verfeinert, der Fitnessraum -das STUDIOBLITZ, betrieben von Michael Schmelzer, in dem Workout-Kurse angeboten werden und individuell trainiert wird und nicht zuletzt die Dachterrasse, ein Ort zum Entspannen mit Blick auf das Mainbecken und Frankfurt machen die Gemeinschaft lebendig.

In ihrer bunten Unterschiedlichkeit werden die Aufenthaltsräume der Gemeinschaftsbereiche das Pendant zum eigenen Wohnzimmer, Küche, Esszimmer, Hobbyzimmer und Büro. Diese ge- meinschaftlichen Orte bilden den Kern des Projekts und sind größtenteils vertikal gestapelt in der südlichen Hausfassade verortet. Sie erschaffen die WUNDERKISTE, ein gläsernes Schau- fenster, ein Diorama zur LINDENBERG Welt, einer Gemeinschaft, die sich das Miteinander zum Ziel gemacht hat.

Für die Architektur zeichnen sich Franken Architekten (Entwurfs- und Genehmigungspla-nung), Exitecture (Ausführungsplanung und Bauleitung) und Studio ABERJA (Gesamtkonzeption Interieur) verantwortlich. Das Interieur- und Designkonzept des LINDLEY LINDENBERG ist stilistisch durch einen imaginär fließenden Übergang des Art Nouveau auf Art Deco (1895 bis 1925) inspiriert. Ein fein abgestimmter Dualismus zwischen dem Dekorativ-Verspielten des Art Nouveau und der neuen Nüchternheit des Art Deco, überführt in das Hier und Jetzt. Mate- rialien und Elemente werden aus dem Beginn der Moderne in den heutigen Kosmos transferiert und erleben eine Renaissance.

Die Architektur: Der Entwurf von Franken Architekten schließt in Nord/Südrichtung eine halbe Blockseite zwischen Hanauer Landstraße und Lindleystraße und bildet im Süden einen losgelösten Solitär. Das Gebäude besteht aus einem siebengeschossigen riegelförmigen Baukörper geteilt in einen Zimmertrakt mit Lochfassade und die südseitig angesetzte „Wunderkiste“. Im Erdgeschoss befinden sich, wie bei den meisten Hotels, öffentliche Nutzungen. Im Lindley entwickeln sich weitere teils doppelgeschossige Gemeinschaftsräume über die
volle Gebäudehöhe überraschenderweise in die Vertikale. Diese „Wunderkiste“ differenziert sich vom Zimmertrakt durch eine vorgehängte Gusseisenfassade an den geschlossenen Seiten und öffnet sich im Süden zum Hafenbecken des Osthafens durch eine vollständige Verglasung. Dieses Schaufenster macht die Gästegemeinschaft zum sichtbaren Teil der Stadtgesellschaft. Die Geschossdecken zeichnen die mit Splitleveln und Treppen verbundenen Raumabschnitte nach und betonen damit die vertikale Stapelung. Durch die Wunderkiste wird eine neue Typologie der Hotelarchitektur begründet, die perfekt zum innovativen Konzept der Gästegemeinschaft mit seiner Betonung der Gemeinschaftsräume passt. Die Materialwahl von Gusseisen, Putz und Klinker sowie die klassische Dreiteilung des Zimmertrakts in Sockel, Schaft und Dachabschluss referenzieren auf Gründerzeit-Industriearchitektur. Der Sockel wird durch bodentiefe Fenster betont, die eine Verbindung zum Garten herstellen. Geklinkerte Ornamentfelder und bodentiefe schlichte Holzfenster strukturieren den Mittelteil, den Dachabschluss bildet ein Gesims.

Die architektonische Gestaltung verbindet den Genius Loci des ehemaligen industriell geprägten Frankfurter Ostens mit der Jetztzeit und gibt der Gästegemeinschaft mit der Wunderkiste ein ikonisches Zeichen.

Die Gusseisenfassade: Insgesamt über 2000 Elemente aus Gusseisen, schwer wie 70 Elefanten, bilden die Außenhaut der Wunderkiste und zeigen ein abstraktes Bild auf der Fassade. Das Gusseisen steht im Kontrast zu den restlichen braunrosa Außenwänden.

Das Farbkonzept: Jeder Gemeinschaftsbereich greift unterschiedliche Töne des Gesamtfarbkonzepts auf. Während die Bäckerei- und Empfangsbereiche im Erdgeschoss in Winterblautönen gehalten sind, ist das Panoptikum im ersten Stock in ein dunkles Graublau, die Gute Stube in Curry- bis Zitronen-Gelbtöne, Kräuterraum und Baumraum in Lachs-Rosatöne und der Barbereich in ein leichtes Lilabraun gekleidet. Es wurde zusätzlich nach einer Klangfarbe gesucht, die das Raumgefühl unterstreicht. Über das LINDENBERG eigene Musiklabel (LOTTE LINDENBERG) wurde die Platte ELLIE FORD – Light Repeated zeitgleich mit der Eröffnung des LINDLEY veröffentlicht, die die Klangfarbe des Projekts darstellt und an verschiedensten Stellen im Haus hörbar ist.

Die Formsprache: Neben den Farben besticht die Interiorgestaltung des Hauses durch präzise Linien, Bögen und Muster. Blaupause für dieses Leitmotiv ist THE GRID, das sich bei genauem Hinschauen in nahezu allen Bereichen des Projektes entdecken lässt. Eine unaufdringliche Formensprache, die genannte Stilepochen für das Heute rezitiert.

Die Ausstattung : Das Interieur lebt vom Kontrast alter und neuer Elemente, ein Mix aus größtenteils zeitgenössischen Objekten mit einer Prise epochenübergreifender Originale wurde angestrebt. Verschiedenste Vintage-Thonetstühle wurden über Jahre hinweg aufwendig vom Team gesammelt, aufgearbeitet und ziehen sich durch alle Etagen. Gepaart u.a. mit e15 Tischen, Vintageleuchten von Frank Landau, Regalen von Muller Van Severen, komfortablen Boxspringbetten von Fennobed und eigens von studio ABERJA entworfenen Möbeln und Leuchten bildet die Ausstattung ein zeitgenössisches Ensemble mit Zitaten aus vergangenen Zeiten.

Weiteres Hauptmerkmal des Hauses sind die speziell gefertigten Raumtrennelemente aus filigranen Stahlprofilen. Auf Basis des GRID entworfen, zonieren sie in den Zimmern und den öffentli- chen Bereichen zwischen Bereichen unterschiedlicher Nutzung.

Die von ABERJA verwendeten Materialien Haus geben ein eklektisches, wenn auch stets unaufdringliches Gesamtbild ab: dunkler, grober Gussasphaltboden trifft auf warme Walnussholzelemente, so zum Beispiel in den Boden eingelassenes Walnussparkett und Vertäfelungen, die neben selbstentworfenen, immer wiederkehrenden, rautenförmigen Fliesen von Kaufmann Keramik und Wiener Geflecht im Haus die Wände schmücken. Ob unauffällig in die Objekte eingearbeitet oder als robuster Küchenblock im Restaurant: Kupfer begleitet den Gast in allen Bereichen des Hauses. Häufig verwendete natürliche Materialien wie Muschelkalk fügen sich harmonisch ein. Schwere Vorhänge und Stuhlpolster von Kinnasand geben den Räumen eine wohnlich-haptische Note. Exklusiv für das Projekt gefertigte Textilien aus Sierra Leone, die das gedeckte Farbschema bewusst brechen, zieren die Zimmer in Form von Kissenbezügen, Föhnbeuteln und Schlappen.

Als akzentuierendes Raumelement spielt Kunst im LINDLEY eine maßgebliche Rolle. Über 500 Positionen zeitgenössischer KünstlerInnen wurden im und größtenteils exklusiv für das Haus installiert. Grafische Arbeiten des Frankfurter Designbüros Pixelgarten, Werke junger FotografInnen wie Marija Strajnic aus Belgrad, Roos Quakernaat aus Amsterdam, Nicolas Henry aus Paris, Lisa Diandra Krüger, Oliver Tamagnini und Simon Bolz aus Frankfurt, Lena C. Emery aus London, Gemälde von Dragan Bibin, Boris Lukic (Belgrad) und Dennis Rudolph (Berlin) sowie Papierskulpturen von Diana Beltran Herrera (London) zieren die Wände. Herzstück ist die Rube Goldberg Installation der Frankfurter Künstlerin Kathi Käppel im Panoptikum.

LINDLEY ist verspielt, erfinderisch und dennoch konsequent in seiner Raumordnung, Farbgebung, Materialwahl und Formensprache. Die mit dem LINDENBERG kreierte und dem Haus verknüpfte literarische Geschichte Der unsterbliche Mr. Lindley des polnischen Autors Artur Becker, erschienen 2018 im weissbooks Verlag, sollte ein gegenseitiges Aufschaukeln von Architektur und Literatur bewirken. So finden sich Elemente des Buchs im Haus, und umgekehrt wieder.

Fotos: Steve Herud

das-lindenberg.de

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