Daily Life

Filmtipp: THE REPORT

8. November 2019

Ein packender Thriller, der auf wahren Begebenheiten beruht. Der engagierte Mitarbeiter Daniel J. Jones (Adam Driver) wird von seiner Chefin, Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening), beauftragt, eine Untersuchung über das „Detention and Interrogation Programm“ der CIA zu leiten, welches nach den Anschlägen des 11. September 2001 ins Leben gerufen wurde. Jones‘ unerbittliche Suche nach der Wahrheit bringt ans Licht, wie weit der mächtigste Geheimdienst der USA bereit war, zu gehen, um Beweise zu vernichten, das Gesetz zu untergraben und ein schockierendes Geheimnis vor der Öffentlichkeit zu verbergen

Directors Note:

Wie schon die Geschichten von Frank Serpico, Karen Silkwood und Erin Brockovich beschreibt auch jene von Daniel J. Jones, wie jemand eine schlimme Entdeckung macht und entscheiden muss, wie er damit umgeht. Jones ist nicht zum Helden geboren, aber er leidet unter der Last seiner Erkenntnisse und sieht sich gezwungen, es mit dem System aufzunehmen. Menschen wie er sind oft tief eingebettet in die existierenden Machtstrukturen, doch wenn sie die Wahrheit einmal aufgedeckt haben, sind sie nicht länger bereit, zu schweigen. Für ein höheres Ziel bringen sie große persönliche Opfer.

In THE REPORT bekommt Daniel Jones die Aufgabe, die schreckliche Realität hinter einem CIA-Programm aufzudecken, das von der Bush-Administration nach den Anschlägen des 11. September 2001 ins Leben gerufen wurde. Er verbringt Jahre in einem fensterlosen Raum und erkennt, dass an jenem furchtbaren Tag nicht nur Gebäude, sondern auch die Moral der Politiker und der CIA in sich zusammenstürzten. Seit den Tagen George Washingtons war das Folterverbot wichtiger Bestandteil der US-amerikanischen Identität, doch diese hohen moralischen Grundsätze waren schnell vergessen. Das lag wohl größtenteils daran, dass die, die man als Gegner wahrnahm, nicht weiß und europäischer Abstammung waren.

Nach mehreren Filmen über Menschen, die aus den verschiedensten Gründen gelogen haben – Mark Whitacre in DER INFORMANT!, Donald Crowhurst in VOR UNS DAS MEER und auf gewisse Weise sogar Emily Taylor in der fiktiven Geschichte SIDE EFFECTS – TÖDLICHE NEBENWIRKUNGEN – wollte ich mich mit einer Figur befassen, die gegen die Lüge aufbegehrt, statt selbst zu lügen. Meine Jugend in den Siebzigerjahren war geprägt von Politthrillern. Und diese Geschichte hier schien Ähnlichkeiten mit Filmen wie DIE UNBESTECHLICHEN, DIE DREI TAGE DES CONDOR und ZEUGE EINER VERSCHWÖRUNG zu haben. Diese Filme beeinflussten uns sehr bei unseren Entscheidungen, dafür bin ich Pakula, Pollack und anderen zu Dank verpflichtet.

Unsere Gesetze und Ideale sind nicht für Zeiten gedacht, in denen wir ein sorgenfreies Leben führen, sondern für die, in denen Terror und Grausamkeiten unsere Welt zerstören. Die Weisheit dieser Gesetze soll uns leiten, wenn wir vor Wut und Trauer blind sind. Aber die USA und ihre Politiker begaben sich auf die „dunkle Seite“, wie Dick Cheney es bald selbst nannte. Der Psychiater James Gilligan sagte einst: „Gewalt ist der Versuch, ein Gefühl der Schande abzuwehren und durch ein Gefühl des Stolzes zu ersetzen.“ Diesen missglückten Versuch der CIA unter Bush und Cheney beschreibt Jones in den 6700 Seiten des Berichts des Kongressausschusses zum Geheimdienst: „Senate Select Committee on Intelligence“.

Weder die Geschichte noch die Politik heißen die Wahrheit immer willkommen und so findet Jones heraus, dass die US-Regierung diese düstere Angelegenheit lieber verschwiegen hätte, als sich ihr zu stellen und daraus zu lernen. THE REPORT beschreibt also nicht nur eine brutale und unwirksame Politik, die man später durch Lügen zu verheimlichen suchte, sondern erzählt die Geschichte eines einzelnen Mannes, der als Beamter beim Senat beschäftigt ist und Jahre damit zugbringt, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Man kann sich über die kafkaeske Reise empören, auf die Jones vom System geschickt wurde, oder seinen Einsatz für das Gemeinwohl bewundern. Ist unsere Demokratie unwiderruflich zerstört oder ist nun mal ein bestimmtes Maß an Integrität vonnöten, damit sie funktioniert? Für mich ist Daniel der unbekannte amerikanische Held. Ich wünsche mir, dass dieser Film den Zuschauern in Erinnerung ruft, dass es noch Menschen gibt, die nach Washington DC ziehen, um für uns alle etwas zu erreichen. Solange es Mitarbeiter wie Daniel J. Jones im öffentlichen Dienst gibt, besteht Grund zur Hoffnung.

Scott Z. Burns

Fotos: ©DCM (2), © ATSUSHI NISHIJIMA

THE REPORT seit 7.November im Kino

REGIE & DREHBUCH: Scott Z. Burns. PRODUZENTEN: Steven Soderbergh, Jennifer Fox, Scott Z. Burns, Kerry Orent, Michael Sugar, Eddy Moretti, Danny Gabai

© 2019 Robert’s