Well Being

Filmtipp: TESTOSTERON – DER MÄNNERSTOFF

25. Januar 2019

Testosteron galt lange Zeit als der böse Bube unter den Hormonen. Zuviel davon im Blut und der Mann wird zum Tier, trieb- und aggressionsgesteuert, so das Klischee…
Eine Wissenschaftsdokumentation von Kirsten Esch auf ARTE

Dass eine Überdosis des Hormons auch gefährliche Folgen haben kann, zeigt die Fitness-Szene

Stimmt das wirklich? Hat das Hormon vielleicht ganz andere Auswirkungen? Das jedenfalls legen neueste wissenschaftliche Studien jetzt nahe. International renommierte Forscher erklären, wie subtil das Hormon im Menschen tatsächlich wirkt. Das Wort „hormongesteuert“ muss neu bewertet werden.

Testosteron ist in aller Munde. Neulich wurde öffentlich das „Zeitalter des Testosterons“ verkündet. Es steht für Männergesundheit, Sex, Lebenselixier im Alter und gilt als soziales Verhaltenshormon. Nicht ohne Grund boomt der Markt für Testosteron Präparate, die im Alter noch ewige Jugend versprechen. Wer viel Testosteron hat, dem wird ein Hang zur Aggressivität nachgesagt, zum Kampf und Gerangel um den ersten Platz. Eigenschaften, die heute ein eher schlechtes Image haben. Was ist dran am Mythos vom testosterongesteuerten Mann?

Neueste wissenschaftliche Studien legen etwa nahe, dass der Botenstoff tatsächlich soziales Verhalten fördert. Einer der führenden Experten auf diesem Gebiet ist der Franzose Jean-Claude Dreher aus Lyon. Er beweist in seinen Laborversuchen, dass Testosteron nicht aggressiv macht, sondern Männer strategisch handeln lässt. Wer mehr Testosteron hat, behandelt andere freundlicher, um seinen eigenen Status zu stärken. Der britische Verhaltenspsychologe Simon Baron-Cohen wiederum untersucht, wie Testosteron schon im Mutterleib unterschiedliche Verhanltensmerkmale bei Jungen und Mädchen festlegt. Den Forschungen zufolge wirkt sich die Hormonkonzentratation auf die Gehirnentwicklung und somit auf Ausprägung von Empathie, Sprachentwicklung und Abstraktionsvermögen aus.

Dass eine Überdosis des Hormons auch gefährliche Folgen haben kann, zeigt die Fitness-Szene. Nicht selten kommt es vor, dass junge Männer Anabolika-Präparate nehmen, um optisch schnell Erfolge zu sehen. Doch sie riskieren unter anderem Leberschäden und Herzprobleme. Schlussendlich ist es nicht Testosteron, das „männliches Verhalten“ zu Tage bringt, sondern ein Zusammenspiel verschiedenster Hormone und dem nicht zu vernachlässigenden Anteil an Umwelt und Sozialisation.

Fotos: ARTE

Samstag, 09. Februar 2019, um 21.45 Uhr

In der ARTE-Mediathek bis 11. März 2019

arte.tv

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