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Erfinderin, Visionärin, Mäzenin und Wohltäterin

29. Dezember 2017

Louise Pommery gilt als Erfinderin des „Brut“ Champagners, eröffnete die größte Baustelle des Jahrhunderts in französischen Reims, unterstützte Künstler, finanzierte ein Waisenhaus und eine Kasse für Mutterschaftshilfe.

Ich, Madame Pommery …

„Ich habe beschlossen, die Geschäfte meines Mannes fortzuführen und seinen Platz einzunehmen…“ Nach dieser Äußerung im Jahr 1858 machte sich die junge Witwe auf, die nationalen und internationalen Märkte zu erobern. Furchtlos rüttelte sie an den Regeln der Unternehmensführung. Als Wegbereiterin legte sie die Grundlagen für den Siegeszug eines Luxusprodukts: Stil, Markenname, Kommunikation und Public Relations der Domaine. Sie erfand das Markenimage Pommery. Sie nutzte ihr Vermögen „auf noble Art“: Als Geschäftsfrau, aber auch als Frau mit Herz, rief sie die erste „Rentenkasse“ und eine „Sozialversicherung“ für ihr Personal ins Leben. Die Stadt Reims verdankt ihr außerdem ein Waisenhaus und eine Kasse für Mutterschaftshilfe. Damit begründete sie die Ethikcharta des Unternehmens.

Sie unterstützte Künstler, allen voran diejenigen ihrer Heimatstadt.
Sie vermachte dem Museum von Reims ihre 600 Teile umfassende Fayencerie-Sammlung und schenkte dem französischen Staat die „Ährenleserinnen“ von Millet. In der Überzeugung „alles, was man mit Arbeit erreichen kann, ist gut“ übernahm sie mit ihrem Unternehmen die Aufgaben eines Mäzens lange, bevor man schon etwas von Sponsoring gehört hatte. Persönliches Engagement, das ein gewisses Risiko in Kauf nimmt – das war zu jener Zeit ungewöhnlich. Diese mutige Geschäftsvision stützte sich auf eine kompromisslose Ethik, der das Unternehmen bis heute folgt.

Wie alles begann…

Monsieur Pommery hatte ein Vermögen im Wollhandel gemacht. 1856 beschloss er aufgrund seines fragilen Gesundheitszustandes, sich aus der Geschäftswelt zurückzuziehen und fortan ein geruhsames Leben zu führen. Der Sohn, Louis, war fast erwachsen. Das Paar hatte keine besonderen Zukunftspläne und richtete sich darauf ein, den wohlverdienten Ruhestand zu genießen. Aber das Schicksal hatte andere Pläne … Madame Pommery, damals 38 Jahre alt, erwartete ein Kind. Diese wundersame Schwangerschaft – mehr als siebzehn Jahre nach der ersten – stellte das Leben der Familie auf den Kopf. Der Wunsch, die Zukunft seiner Tochter zu sichern, weckte in Monsieur Pommery den Traum, wieder aktiv zu werden. Leider durchlief der Wollhandel seinerzeit eine massive Krise. Der Champagnerhandel hingegen begann gerade erst seinen Aufschwung.

Im Warenbestand von Pommery befanden sich mit Datum 31. Dezember 1856 ausschließlich Grands Crus. Das Haus änderte seinen Namen, gewann neue Tatkraft und Talente hinzu. Henry Vasnier, 24, Verwaltungs- und Finanzdirektor sowie Adolphe Hubinet, 23, Vertriebsdirektor, stießen zum Team. Als Monsieur Pommery am 18. Februar 1958 verstarb, betrachtete Madame Pommery ihre Tochter Louise, die nicht einmal ein Jahr alt war, und nahm all ihre Kraft zusammen, um eine der schönsten Erfolgsgeschichten zu beginnen. Auch heute noch treiben Stolz, Leidenschaft und Emotion das Haus Pommery an, um das Wunder der Madame Pommery im Namen des hübschen Namens Louise immer zu wiederholen.

Ihr Werk…

„Ich wollte immer, dass die Domaine sich wie ein offenes Buch liest, das eine Geschichte der sich ändernden Welt und Zeit erzählt. Hinterlasst darin Eure Zeichen, so wie auch ich die Geschichte für immer geprägt habe. Auf dass sie den Respekt unseres Champagners verdienen, der mittlerweile wie eine gemeinsame Seele ist und die Erinnerung an unsere Kunst für alle Zeiten in sich trägt.“ Madame Pommery

Im Juli 1868 eröffnete Madame Pommery die größte Baustelle des Jahrhunderts in Reims: den Umbau der Crayéres, alten Kreidestollen, zu Weinkellern. Belgische und französische Bergarbeiter hatten 18 Kilometer lange Tunnel mit Tonnen- oder Rippengewölben gegraben, die untereinander verbunden waren. Eine einzige, gigantische unterirdische Stadt. An diesen, durch antike Schächte entstandenen Orten, erschuf Bildhauer Navlet bei Kerzenschein immens große Flachreliefs – bis zu seiner Erblindung.

Madame Pommery begründete eine neue Tradition: Sie benannte die Kellertunnel nach den großen internationalen Städten, in die der Champagner bereits geliefert wurde. Man betritt die Anlage durch den Keller „Carnot“, Hauptgebäude des Unternehmens, überragt von einem Wachturm oberhalb der großen Treppe. Außenwelt und Unterwelt sind fast zur gleichen Zeit erschaffen worden.
Die ersten Keller waren bereits bei Ausbruch des 1870er Kriegs in Gebrauch. Die großen Arbeiten begannen 1878. Die Errichtung des Parks begann 1880.

Die Flachreliefs heben die irreale Schönheit der grandiosen Galerien hervor, die sich im ewigen Halbdunkel ausdehnen. Eine wunderbare Monumentaltreppe mit 116 Stufen ist die einzige Verbindung dieser Unterwelt zur Außenwelt.

Heute umfasst die Domaine 50 Hektar, das entspricht der Oberfläche des Louvre, des Jardin des Tuileries und der Place de la Concorde zusammengenommen.

 

Die Aufnahmen wurden uns freundlicherweise von VRANKENPOMMERY zur Verfügung gestellt.

vrankenpommery.com

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